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Kultur & Geschichte

Langtang und das Erdbeben 2015: ein Dorf unter dem Eis und sein Neubeginn

Am 25. April 2015 löste das Erdbeben in Nepal über dem Dorf Langtang eine gewaltige Lawine aus Eis und Fels aus. In wenigen Minuten war fast das ganze Dorf verschüttet. Heute ist das Tal wieder bewohnt, die Lodges sind neu gebaut, und wer zum Kyanjin Gompa wandert, geht über das Geröll von damals.

Ajay ShresthaGründer & Geschäftsführung12. Oktober 2026

Gebetsfahnen wehen am Swayambhunath-Stupa in Kathmandu

Es war kurz vor Mittag, als am 25. April 2015 die Erde in Zentralnepal bebte, mit einer Stärke von 7,8. In Kathmandu stürzten Tempel und Häuser ein, und landesweit starben fast 9.000 Menschen. Im Langtang-Tal, rund 60 Kilometer nördlich der Hauptstadt, brach an den Hängen über dem Dorf Langtang eine riesige Masse aus Gletschereis, Schnee und Fels ab. Sie stürzte Hunderte Meter tief ins Tal. Die Druckwelle vor der Lawine riss Häuser um und entwurzelte Bäume, dann begrub das Geröll fast das ganze Dorf unter sich. Von Langtang blieb ein einziges Haus stehen.

Was an diesem Tag geschah

Die Lawine traf das Tal mitten in der Trekkingsaison. Am Abend vorher hatte im Dorf eine buddhistische Zeremonie stattgefunden, zu der Familien aus dem ganzen Tal gekommen waren, und viele waren noch da. Nach offizieller Zählung starben in Langtang über 300 Menschen, darunter rund 175 Bewohnerinnen und Bewohner, Dutzende Nepalesen aus anderen Landesteilen, Soldaten eines Postens im Tal und zwischen 49 und 80 Ausländer, je nach Quelle. Die Menschen im Tal selbst gehen von deutlich mehr Toten aus. Viele wurden nie gefunden. Für eine Gemeinde von wenigen Hundert Menschen bedeutete das, dass fast jede Familie jemanden verloren hatte.

Wer in Langtang lebt

Die Menschen im oberen Langtang-Tal nennen sich Langtangpa. Ihre Vorfahren kamen vor Generationen aus Tibet, sie sind Buddhisten, sprechen einen eigenen tibetischen Dialekt und leben seit jeher von Yaks, Kartoffeln, Gerste und seit den 1970er-Jahren auch vom Trekking. Weiter unten im Tal und in den Dörfern um Thulo Syabru leben vor allem Tamang. Das Kloster Kyanjin Gompa am Talende ist ihr spirituelles Zentrum, und die Käserei dort, gegründet mit Schweizer Hilfe in den 1950er-Jahren, ist bis heute ein Stopp für fast alle Trekker.

Der Wiederaufbau

Nach dem Beben verließen die Überlebenden das Tal und lebten monatelang in Notunterkünften in Kathmandu. Im Herbst 2015 kehrten die ersten zurück. Sie warteten nicht auf den Staat. Die Gemeinde gründete ein eigenes Komitee für den Wiederaufbau, verhandelte mit Hilfsorganisationen und baute Lodges, Häuser und Wege größtenteils selbst wieder auf, viele davon erdbebensicherer als vorher. Die neuen Häuser stehen zum großen Teil dort, wo das alte Dorf lag. Heute ist das Tal wieder belebt. Die meisten Lodges sind neu, die Familien vermieten wieder Zimmer, und im Herbst sind die Speiseräume voll.

Leicht ist der Neubeginn nicht. Der Tourismus bringt Geld, aber nicht allen gleich viel, und die Erinnerung an die Toten ist im Tal überall. Am Dorfrand erinnert eine Gedenkstätte an die Toten. Wer hier vorbeikommt, bleibt einen Moment stehen.

Vergletscherte Gipfel über dem oberen Langtang-Tal
Gipfel über dem oberen Langtang-Tal.

Ist das Langtang-Tal heute sicher?

Im Frühjahr und Herbst ja, mit den Vorsichtsregeln, die in jedem Hochtal des Himalaya gelten. Das Tal liegt wie ganz Nepal in einer aktiven Erdbebenzone, und Erdbeben lassen sich nicht vorhersagen. Viele der neuen Lodges sind aber stabiler gebaut als die alten Häuser, und die Wege sind nach 2015 neu angelegt worden. Das größere Alltagsrisiko sind Steinschlag und Erdrutsche im Monsun. Deshalb gehen wir den Trek nur von März bis Mai und im Oktober und November, und unsere Guides halten an Lawinenhängen keine Pausen. Ab Kyanjin Gompa kann ein Helikopter bei gutem Wetter in weniger als einer Stunde in Kathmandu sein. Eine Versicherung mit Bergrettung gehört deshalb zu jeder Buchung.

Langtang heute und die Flut 2026

Elf Jahre nach dem Erdbeben traf das Tal 2026 ein neuer Schlag. Eine Flut zerstörte die Straße von Trishuli nach Syabrubesi, die einzige Straße ins Tal, und sie bleibt bis auf Weiteres gesperrt. Der Trekkingweg selbst ist offen. Wer jetzt ins Langtang will, wandert deshalb von Sundarijal am Rand des Kathmandu-Tals über Helambu, den Laurebina La und den heiligen See Gosainkunda ins Tal, so wie auf unserem Langtang-Tal-Trek über 18 Tage. Den aktuellen Stand findest du in unseren Reisehinweisen.

Am achten Tag gehst du von Lama Hotel hinauf nach Langtang auf 3.430 Metern. Kurz vor dem Dorf öffnet sich das Tal, und du gehst über das breite Geröllfeld von 2015. Darunter liegt das alte Dorf. Am nächsten Tag geht es weiter nach Kyanjin Gompa. Jede Nacht in einer Lodge im Tal hilft den Familien, die hier geblieben sind. Wie du in Nepal fair unterwegs bist, steht im Ratgeber zum nachhaltigen Reisen, und wie das Erdbeben die Tempel im Tal von Kathmandu traf, im Artikel über die drei Königsstädte.

Fragen

Häufige Fragen

Was geschah 2015 im Dorf Langtang?
Beim Erdbeben am 25. April 2015 brach über dem Dorf eine riesige Masse aus Gletschereis, Schnee und Fels ab. Die Lawine begrub fast das ganze Dorf, nur ein Haus blieb stehen. Nach offizieller Zählung starben in Langtang über 300 Menschen. Die Bewohner gehen von deutlich mehr Toten aus.
Ist das Langtang-Tal heute wieder bewohnt?
Ja. Ab Herbst 2015 kehrten die ersten Familien zurück und bauten Lodges, Häuser und Wege größtenteils selbst wieder auf, viele erdbebensicherer als vorher. Heute vermieten die Familien wieder Zimmer, und im Herbst sind die Speiseräume voll. Am Dorfrand erinnert eine Gedenkstätte an die Toten.
Wann ist die beste Zeit für einen Langtang-Trek?
Von März bis Mai und im Oktober und November. Nur dann gehen wir den Trek. Im Monsun sind Steinschlag und Erdrutsche das größere Alltagsrisiko. Eine Versicherung mit Bergrettung gehört zu jeder Buchung, denn ab Kyanjin Gompa ist ein Helikopter bei gutem Wetter in unter einer Stunde in Kathmandu.

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