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Nachhaltigkeit

Der Khumbu-Gletscher: Warum das Everest Base Camp auf bewegtem Eis liegt

Das Everest Base Camp steht auf dem Khumbu-Gletscher, und deshalb verschiebt sich seine Lage jedes Jahr ein wenig. Seit Jahrzehnten dokumentieren Forschungsteams, wie die Himalaya-Gletscher schrumpfen. Was du davon vor Ort siehst und was es für die Dörfer im Khumbu bedeutet.

Passang Dawa SherpaSenior Climbing Guide6. August 2026

Der Khumbu-Gletscher im Everest-Gebiet

Das Everest Base Camp auf der nepalesischen Seite liegt auf und neben dem Khumbu-Gletscher, auf etwa 5.364 Metern am Fuß des Khumbu-Eisbruchs. Die meisten sind überrascht, wenn sie das hören. Der Zeltplatz sieht durch die grobe Geröllschicht obendrauf aus wie normaler Boden. Darunter liegt Eis, und an kaum einem Ort kommen Trekker einer sich verändernden Gletscherlandschaft so nah, ohne es auf den ersten Blick zu merken.

Warum das Base Camp auf bewegtem Eis liegt

Über weite Strecken bedeckt eine dicke Schicht aus Geröll und Schutt den Khumbu-Gletscher, die sogenannte Moräne, und das Eis darunter siehst du fast nirgends. Die Oberfläche wirkt fest. Doch der Gletscher fließt. Wie jeder Gletscher bewegt er sich langsam talwärts. Deshalb wird das Basislager jede Saison neu vermessen und etwas versetzt aufgebaut, weil sich die Stelle vom Vorjahr verschoben hat. Wer regelmäßig zum Everest kommt, erzählt von Zeltplätzen, Spalten und kleinen Bächen auf dem Gletscher, die jedes Jahr anders liegen. Neu ist diese Bewegung nicht. Sie zeigt nur, wie wenig fest der Boden unter einer der bekanntesten Adressen des Bergsteigens ist, und was das für Bergsteiger weiter oben bedeutet, steht in unserem Artikel zum Khumbu-Eisbruch.

Was die Forschung über den Gletscherschwund sagt

Glaziologen beobachten seit Jahrzehnten, dass viele Gletscher im Himalaya an Masse verlieren, auch der Khumbu-Gletscher, in der Fläche und in der Eisdicke. Grundlage sind Satellitendaten, wiederholte Messungen vor Ort und der Vergleich alter Fotos mit neuen Aufnahmen vom selben Standort. Die genauen Raten unterscheiden sich je nach Studie, Zeitraum und Methode stark, deshalb nennen wir hier keine einzelne Zahl. Die Richtung ist in allen Untersuchungen dieselbe. Über Jahrzehnte verändert sich die Landschaft entlang der Route sichtbar, auch wenn du das von einer Reise zur nächsten kaum bemerkst.

Gedenk-Steinmänner über dem schuttbedeckten Khumbu-Gletscher
Steinmänner am Thukla-Pass. Darunter liegt der Gletscher unter Geröll.

Was du vor Ort siehst

Am deutlichsten sind die Gletscherseen. Am unteren Ende mehrerer Himalaya-Gletscher hat sich Schmelzwasser hinter natürlichen Moränenwällen gesammelt, und der Imja-See oberhalb von Chukhung im Khumbu ist das bekannteste Beispiel. Er ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gewachsen, und Behörden und Forschungsteams beobachten ihn wegen des Risikos eines plötzlichen Ausbruchs. Auch an der Route selbst gibt es Spuren, freiliegendes dunkles Geröll an Stellen, die auf alten Fotos noch unter Eis lagen, und Schmelzwasserbäche, die in manchen Jahreszeiten stärker fließen als früher beschrieben. Dramatisch wirkt das nicht. Es fällt eher auf, wenn du die Route über Jahre vergleichst oder mit einem Guide sprichst, der die Landschaft seiner Kindheit noch anders kennt.

Was es für die Menschen im Khumbu bedeutet

Schmelzwasser aus Gletschern und Schnee speist die Flüsse und Bäche, aus denen die Dörfer im Khumbu ihr Trinkwasser holen, ihre Felder bewässern und kleine Wasserkraftwerke betreiben. Ändern sich Menge und Jahresverlauf des Schmelzwassers, trifft das die Wasserversorgung entlang der Trekkingroute direkt. Dazu kommt das Risiko wachsender Gletscherseen, die bei einem Ausbruch Dörfer und Wege talabwärts gefährden können. Nepal hat deshalb in den letzten Jahren an einzelnen gefährdeten Seen den Wasserspiegel gezielt abgesenkt.

Wie die Region überwacht wird

Nepalesische Behörden überwachen Gletscherseen und Gletscherbewegungen im Khumbu seit Jahren gemeinsam mit internationalen Forschungsinstituten, mit Satellitenbildern, Feldmessungen und automatischen Sensoren an kritischen Stellen wie dem Imja-See. In erster Linie schützt das die Menschen im Tal. Gleichzeitig liefert es die Daten für Langzeitstudien über die Himalaya-Gletscher. Auch Expeditionsteams tragen dazu bei, weil sie jedes Jahr dieselben Passagen im Eisbruch gehen und Veränderungen an Spalten und Eis festhalten, die in die Routenplanung der nächsten Saison einfließen.

Ist der Trek zum Base Camp dadurch gefährlicher?

Für Trekker kaum. Der Weg von Lobuche über Gorak Shep zum Base Camp verläuft auf der Seitenmoräne und auf geröllbedecktem Eis, und die Guides wählen jede Saison die Spur, die gerade sicher ist. Gefährlich wird das Eis erst im Khumbu-Eisbruch oberhalb des Lagers, und dort gehen nur Bergsteiger mit Expeditionspermit. Ein Risiko für die Täler sind wachsende Gletscherseen wie der Imja-See. Deshalb wird er überwacht, und dein Guide kennt die Warnsysteme im Tal. Was du selbst tun kannst, ist wenig spektakulär und trotzdem wirksam, also im Teehaus Wasser nachfüllen statt Flaschen zu kaufen und mit einem Anbieter reisen, der seine Abfälle wieder ins Tal trägt.

Was das für deinen Trek bedeutet

Rund um das Basislager und den Eisbruch kann sich das Gelände von Jahr zu Jahr leicht verändern. Erfahrene Guides schätzen deshalb jede Saison neu ein, wo die sicheren Wege liegen. Am Fuß des höchsten Bergs der Erde stehst du auf einer der aktivsten Landschaften der Region, auch wenn sich das in zwei Wochen kaum messen lässt. Frag deinen Guide, was er über die Jahre beobachtet hat. Seine Antwort ist oft anschaulicher als jede Studie. Wie wir als Veranstalter mit unserer Verantwortung umgehen, steht in unserem Ratgeber zu nachhaltigem Reisen in Nepal und auf unserer Seite zur Verantwortung, und den Weg zum Base Camp selbst findest du beim Everest Base Camp Trek.

Fragen

Häufige Fragen

Liegt das Everest Base Camp auf einem Gletscher?
Ja, auf und neben dem Khumbu-Gletscher. Eine dicke Schicht aus Geröll bedeckt das Eis, deshalb sieht der Zeltplatz aus wie normaler Boden. Weil der Gletscher langsam talwärts fließt, wird das Basislager jede Saison neu vermessen und etwas versetzt aufgebaut.
Schrumpft der Khumbu-Gletscher?
Ja. Glaziologen beobachten seit Jahrzehnten, dass er an Fläche und Eisdicke verliert, wie viele Gletscher im Himalaya. Die genauen Raten unterscheiden sich je nach Studie und Methode stark, deshalb nennen wir keine einzelne Zahl. Die Richtung ist in allen Untersuchungen dieselbe.
Was ist der Imja-See?
Ein Gletschersee oberhalb von Chukhung im Khumbu. Er hat sich hinter einem natürlichen Moränenwall gesammelt und ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gewachsen. Behörden und Forschungsteams überwachen ihn mit Satellitenbildern und Sensoren, weil ein plötzlicher Ausbruch Dörfer talabwärts gefährden könnte.