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Erfahrungsberichte

Mein Weg auf den Mera Peak

Ein Erfahrungsbericht über 17 Tage im abgelegenen Hinku-Tal, Gletschertraining am Fuß des Mera Peak und den Gipfeltag auf 6.461 Metern mit einem der weitesten Panoramen im Himalaya.

Passang Dawa SherpaSenior Climbing Guide7. August 2026

Bergsteigergruppe in der Everest-Region auf dem Weg zum Mera Peak

6.461 Meter hoch ist der Gipfel des Mera Peak und macht ihn zum höchsten offiziell für Trekking freigegebenen Berg Nepals. Die Besteigung dauert bei uns 17 Tage, führt durch das Hinku-Tal, eines der am wenigsten begangenen Täler der Everest-Region, und endet auf einem Gipfel, von dem aus mehr Achttausender zu sehen sind als von fast jedem anderen erreichbaren Punkt im Himalaya. Ich bin diese Route mit einer kleinen Gruppe gegangen, durch Wald, über Moränen und zuletzt über Gletschereis, und der Kontrast zwischen der Stille im Tal und dem Wind auf dem Gipfel ist bis heute die eindrücklichste Erinnerung an diese Tour. Kein anderer offiziell für Trekking freigegebener Gipfel in Nepal verbindet eine derart abgelegene Anmarschroute mit einem technisch überschaubaren, aber hochalpinen Gipfeltag.

Warum der Mera Peak anders beginnt als ein klassischer Trek

Anders als beim Everest Base Camp Trek führt der Anmarsch zum Mera Peak über den Pass Zatrwa La nach Osten ins Hinku-Tal, weg vom dicht besuchten Khumbu. Für die Besteigung selbst ist neben dem regulären Trekking-Permit ein Climbing-Permit der Nepal Mountaineering Association nötig, da Mera Peak zur Gruppe der offiziellen Trekkinggipfel zählt. Verglichen mit dem ähnlich populären Island Peak im Khumbu-Tal ist der Anmarsch zum Mera Peak deutlich ruhiger, dafür aber auch etwas länger, weil die Route über das entlegene Hinku-Tal statt durch das stark besuchte Khumbu führt. Hierher kommen deutlich weniger Trekker. Die Lodges sind einfacher, die Wege ruhiger. 17 Tage veranschlagen wir für die komplette Tour ab und bis Lukla, davon allein rund sieben Tage für den Anmarsch durchs Hinku-Tal und zwei feste Trainingstage kurz vor dem Basislager, bevor der eigentliche Gipfelversuch beginnt. Details zu Route, Ausrüstungsliste und Preisen stehen auf der Seite zur Mera-Peak-Besteigung, hier geht es um den Verlauf der Tour aus erster Hand.

Der Anmarsch durchs Hinku-Tal

Von Lukla aus führt der Weg zunächst über den Zatrwa La auf etwa 4.600 Metern hinunter ins Hinku-Tal, eine der am wenigsten begangenen Regionen der Everest-Gegend. Der Passtag ist hart. Gleich zu Beginn verlangt er mehrere Hundert Höhenmeter an einem einzigen Tag, und erst danach zieht sich der Weg über mehrere Tage sanfter durchs Tal. Die ersten Etappenorte Chutanga, Thuli Kharka und Kothe liegen jeweils nur wenige Gehstunden auseinander, jeder kleiner und einfacher als der vorherige, bis in Kothe auf etwa 3.600 Metern die letzte dichter bewaldete Stelle der Route liegt. Von dort führt der Weg über Thangnak weiter nach Khare, während der Wald zunehmend Geröllfeldern und Moränen weicht. Statt der dichten Teehaus-Kette des Khumbu-Tals gibt es hier einzelne Lodges, umgeben von Rhododendronwald und offenem Weideland. Yaks prägen das Bild. An manchen Tagen begegnet die Gruppe über Stunden niemandem außer dem eigenen Team. Diese Abgeschiedenheit ist Teil dessen, was den Mera Peak für erfahrene Trekker attraktiv macht, die nach den überlaufenen Hauptrouten etwas Ruhigeres suchen.

Seilschaft auf dem weiten Gletscher des Mera Peak
Angeseilt auf dem Mera-Gletscher.

Training am Fuß des Gipfels

Khare liegt auf etwa 5.045 Metern und ist der letzte bewohnte Ort vor dem Basislager, der zugleich als Akklimatisierungs- und Trainingsstandort dient. Geübt wird gründlich. Hier verbringt die Gruppe zwei Tage mit grundlegendem Gletschertraining: Steigeisen anlegen und im Schnee gehen, das Handling von Seil und Jumar am Fixseil üben, das Verhalten in der Seilschaft und bei einem simulierten Spaltensturz besprechen. An einem der Trainingstage steigt die Gruppe zusätzlich zum Mera La auf etwa 5.415 Metern auf, einem alten Handelspass zwischen dem Hinku- und dem Hongu-Tal, nur um Höhe zu sammeln und wieder nach Khare abzusteigen. Dieses Prinzip, hoch gehen und tief schlafen, gilt auf allen unseren Touren in großer Höhe und hier ganz besonders, weil zwischen Khare und dem Gipfel kaum noch Gelegenheit für weitere Akklimatisierung bleibt. Wer noch nie auf einem Gletscher stand, lernt hier die Grundlagen, wer schon Erfahrung hat, frischt sie auf. Die technische Ausrüstung, Steigeisen, Pickel, Klettergurt und Helm, stellen wir für die Gruppe, damit niemand eigenes Bergsteigematerial aus Europa mitschleppen muss. Ohne dieses Training kein Gipfeltag. Der letzte Abschnitt zum Mera Peak verläuft über offenes Gletschereis mit Spalten, und richtige Seiltechnik gehört dort zur Grundausstattung wie warme Handschuhe, mehr dazu im Ratgeber zur Fitness für Gipfelbesteigungen.

Der Gipfeltag

High Camp liegt auf rund 5.800 Metern und ist der letzte Lagerplatz vor dem Gipfelversuch. Wecken um ein Uhr nachts. Bis zum Gipfel und zurück ins Camp vergehen leicht acht bis zehn Stunden, und der Wind nimmt auch hier im Tagesverlauf zu. Im Schein der Stirnlampe geht es über Schnee und Gletschereis, angeseilt, im Rhythmus des immer dünneren Sauerstoffs. Flaschensauerstoff braucht es nicht. Anders als an den großen Achttausendern reichen bei guter Akklimatisierung die moderate Technik und die kurze Zeit in extremer Höhe. Mera Peak hat genau genommen drei Gipfelpunkte, einen zentralen, einen nördlichen und einen südlichen, wobei fast alle Gruppen den einfacher erreichbaren Zentralgipfel besteigen. Der letzte Abschnitt vor dem Gipfelgrat ist der steilste der ganzen Tour und verlangt nach den Trainingstagen in Khare konzentrierte, langsame Schritte, mit kurzen Pausen, in denen das Seil neu geordnet und die Ausrüstung kontrolliert wird.

Der Blick vom Gipfel

6.461 Meter über dem Meeresspiegel und mehr Achttausender in Sichtweite als von fast jedem anderen erreichbaren Gipfel im Himalaya: Vom Mera Peak aus sind bei klarem Wetter Everest, Lhotse, Makalu, Kangchenjunga und Cho Oyu gleichzeitig zu sehen, ein Panorama, das unter Bergsteigern in der Region als eines der weitesten überhaupt gilt. Näher am Gipfel selbst stehen zudem die schneebedeckten Kuppen von Baruntse und Chamlang, zwei Siebentausender, die von den meisten anderen Aussichtspunkten in der Region verdeckt bleiben. Oben ist es kurz und kalt. Nach den Trainingstagen und dem nächtlichen Aufstieg herrscht eine Ruhe, die schwer zu beschreiben ist, und der Wind lässt die Fingerspitzen trotz dicker Handschuhe innerhalb weniger Minuten taub werden. Der Abstieg zurück nach High Camp und in den folgenden Tagen zurück ins Tal fühlt sich danach fast leicht an, ein Kontrast, der zeigt, wie sehr der Gipfeltag selbst im Vordergrund stand. Der Rückweg führt über dieselbe stille Route zurück nach Lukla, mehrere Tage, in denen die Gruppe Zeit hat, den Gipfeltag sacken zu lassen, bevor der Rückflug nach Kathmandu die Tour beendet.

Fragen

Häufige Fragen

Wie hoch ist der Mera Peak?
6.461 Meter. Er ist der höchste offiziell für Trekking freigegebene Berg Nepals. Fast alle Gruppen besteigen den Zentralgipfel, einen von drei Gipfelpunkten. Bei klarem Wetter siehst du von oben Everest, Lhotse, Makalu, Kangchenjunga und Cho Oyu.
Brauche ich am Mera Peak Flaschensauerstoff?
Nein. Bei guter Akklimatisierung reichen die moderate Technik und die kurze Zeit in extremer Höhe. Vom High Camp auf rund 5.800 Metern brecht ihr gegen ein Uhr nachts auf. Bis zum Gipfel und zurück vergehen leicht acht bis zehn Stunden.
Muss ich eigene Bergsteigerausrüstung mitbringen?
Nein. Steigeisen, Pickel, Klettergurt und Helm stellen wir für die Gruppe. In Khare auf etwa 5.045 Metern übt ihr zwei Tage lang am Gletscher, mit Seil, Jumar und Seilschaft. Wer noch nie auf einem Gletscher stand, lernt dort die Grundlagen.

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