Reisewissen
Höhenkrankheit & Akklimatisierung: Was du beim Trekking in Nepal wissen musst
Akute Höhenkrankheit (AMS) entsteht, wenn dein Körper sich nicht schnell genug an dünnere Luft gewöhnt – meist ab etwa 2.500 bis 3.000 Metern. Genug Akklimatisierungstage senken das Risiko deutlich.
Zuletzt aktualisiert am 6. August 2026 · Passang Dawa Sherpa, Senior Climbing Guide
Was ist die akute Höhenkrankheit (AMS)?
AMS (Akute Höhenkrankheit, englisch Acute Mountain Sickness) ist die Reaktion deines Körpers darauf, dass in der Höhe weniger Sauerstoff pro Atemzug zur Verfügung steht. Dein Organismus braucht Zeit, um mehr rote Blutkörperchen zu bilden und die Atmung anzupassen – geht der Aufstieg schneller als diese Anpassung, treten Beschwerden auf. Erste Symptome können ab etwa 2.500 bis 3.000 Metern auftreten, oberhalb von 3.500 Metern steigt das Risiko spürbar. AMS betrifft grundsätzlich jeden: Alter, Fitnesslevel oder Trekking-Erfahrung schützen dich nicht zuverlässig davor. Entscheidend ist allein, wie viel Zeit du deinem Körper zur Anpassung gibst. Auch wer schon mehrfach in großer Höhe unterwegs war, ist beim nächsten Trek nicht automatisch geschützt – die Tagesform und das Tempo des Aufstiegs spielen jedes Mal neu eine Rolle.
Symptome: Woran du AMS erkennst
Die häufigsten Anzeichen einer leichten bis mittelschweren AMS sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Appetitlosigkeit und ungewöhnliche Müdigkeit. Diese Symptome ähneln oft einem Kater oder einer beginnenden Erkältung – genau deshalb werden sie manchmal unterschätzt. Wichtig zu wissen: Leichte Symptome sind auf einem Trek in großer Höhe nicht automatisch ein Notfall, sie sind ein Signal, langsamer zu machen. Verschlechtern sich die Beschwerden trotz Pause oder kommen weitere Symptome dazu, ist das ein klares Zeichen, nicht weiter aufzusteigen und im Zweifel abzusteigen. Trinke ausreichend, vermeide Alkohol in den ersten Tagen auf großer Höhe und sprich Beschwerden offen bei deinem Guide an, statt sie zu verschweigen – das ist der häufigste Fehler, der aus einer harmlosen AMS eine gefährliche Situation macht.
Die goldene Regel: „Climb high, sleep low“
Die wichtigste Faustregel der Akklimatisierung lautet „climb high, sleep low“: Tagsüber darfst du durchaus höher steigen, entscheidend ist aber, auf welcher Höhe du nachts schläfst. Oberhalb von etwa 3.000 Metern sollte die Schlafhöhe pro Tag um nicht mehr als rund 300 bis 500 Höhenmeter steigen. Zusätzlich braucht dein Körper eingebaute Ruhetage, an denen die Schlafhöhe gar nicht oder kaum zunimmt. Diese Regel ist keine Empfehlung unter vielen, sondern die Grundlage jeder seriösen Höhenplanung – sie lässt sich mit einer straffen Reiseroute nicht vereinbaren.
Akklimatisierung beim Everest Base Camp Trek
Unser Team in Kathmandu plant die Routen genau nach diesem Prinzip. Beim Everest Base Camp Trek sind feste Akklimatisierungstage eingebaut, an denen du nicht weiterziehst, sondern von deinem aktuellen Standort aus höher steigst und zum Schlafen wieder absteigst: ein Tag in Namche Bazaar auf 3.440 Metern und ein weiterer in Dingboche auf 4.410 Metern. An diesen Tagen machst du meist eine Wanderung zu einem höher gelegenen Aussichtspunkt und kehrst zur Übernachtung zurück – so bekommt dein Körper den Anpassungsreiz, ohne dass die Schlafhöhe zu schnell steigt. Unsere Guides beobachten während des gesamten Treks, wie jeder Teilnehmer auf die Höhe reagiert, und passen das Tempo bei Bedarf an.
Pulsoximeter: einfache Selbstkontrolle unterwegs
Ein kleines Gerät namens Pulsoximeter gehört bei unseren geführten Treks zur Standardausrüstung der Guides. Es wird auf die Fingerspitze geklemmt und zeigt innerhalb weniger Sekunden zwei Werte an: den Puls und die Sauerstoffsättigung des Blutes in Prozent. In großer Höhe sinkt dieser Sättigungswert bei jedem Menschen ab, weil weniger Sauerstoff pro Atemzug zur Verfügung steht – das ist für sich genommen normal und kein Alarmsignal. Aufschlussreich wird die Messung vor allem im Verlauf: Kontrolliert ein Guide die Werte jeden Morgen bei allen Teilnehmern, lassen sich auffällige Veränderungen von Tag zu Tag leichter erkennen als durch bloßes Hinschauen oder Nachfragen allein. Ein spürbarer Abfall der Sättigung in Kombination mit Symptomen wie Kopfschmerzen oder Schwindel liefert dem Guide einen zusätzlichen Anhaltspunkt für seine Einschätzung der Lage. Wichtig ist dabei die Reihenfolge: Das Pulsoximeter ersetzt nicht die Beobachtung von Symptomen und dein eigenes Körpergefühl, es ergänzt sie lediglich. Ein unauffälliger Messwert bei gleichzeitig deutlichen Beschwerden ist kein Freibrief zum Weitergehen, denn die endgültige Einschätzung beruht immer auf dem Gesamtbild aus Messung, Symptomen und der Erfahrung des Guides vor Ort.
Diamox (Acetazolamid): Vorbeugung mit ärztlicher Rücksprache
Manche Trekker nehmen vorbeugend Acetazolamid, bekannt unter dem Handelsnamen Diamox, um die Akklimatisierung zu unterstützen. Das Medikament kann helfen, ist aber verschreibungspflichtig und nicht für jeden geeignet – es gibt Nebenwirkungen und Kontraindikationen, etwa bei bestimmten Vorerkrankungen oder Allergien. Ob Diamox für dich infrage kommt, in welcher Form und ob überhaupt, besprichst du vor der Reise mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, idealerweise in einer reise- oder höhenmedizinischen Beratung. Diamox ersetzt keine sorgfältige Akklimatisierung, es kann sie höchstens ergänzen.
Warnzeichen für Höhenlungenödem (HAPE) und Höhenhirnödem (HACE)
Deutlich seltener, aber ernst zu nehmen sind die schweren Formen der Höhenkrankheit: das Höhenlungenödem (HAPE) und das Höhenhirnödem (HACE). Warnzeichen sind starke Atemnot bereits in Ruhe, ein rasselndes oder brodelndes Atemgeräusch, Verwirrtheit, ungewöhnliche Gangunsicherheit oder Koordinationsstörungen sowie extreme Erschöpfung, die sich nicht durch Rast bessert. Treten solche Symptome auf, gibt es nur eine richtige Reaktion: sofortiger Abstieg, keine Verzögerung, kein Abwarten auf Besserung. Unsere Guides sind für genau diese Situationen geschult, erkennen die Warnzeichen frühzeitig und leiten bei Bedarf ohne Zögern den Abstieg ein – notfalls auch nachts und unabhängig vom geplanten Tagesziel.
Warum wir bei Reisen Nepal keine Akklimatisierungstage streichen
Akklimatisierungstage kosten Zeit und damit auf den ersten Blick auch Geld – der Druck, eine Route zu verkürzen, ist real, gerade wenn ein Trek an begrenzten Urlaubstagen gemessen wird. Wir kürzen diese Tage trotzdem nicht. Die 300-bis-500-Meter-Regel und feste Ruhetage sind kein optionaler Programmpunkt, sondern der Grund, warum unsere Touren so geplant sind, wie sie sind. Ein Trek, der schneller verspricht, verschiebt das Risiko lediglich auf dich als Teilnehmer.
Kein Trek in großer Höhe ist völlig risikofrei, auch die beste Planung schützt nicht vor jedem individuellen Verlauf. Sprich vor der Buchung offen mit uns über Vorerkrankungen, bisherige Höhenerfahrung und Bedenken, und kläre die Frage nach vorbeugender Medikation rechtzeitig mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
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