Mein Weg auf dem Annapurna-Rundweg
Ein Erfahrungsbericht über den 16-tägigen Annapurna-Rundweg, von den ersten Tagen im Marsyangdi-Tal bis zur Passüberquerung des Thorong La auf 5.416 Metern und der Ankunft im Pilgerort Muktinath.
Passang Dawa SherpaSenior Climbing Guide7. August 2026
Der Thorong La liegt auf 5.416 Metern und ist mit weitem Abstand der höchste Punkt des Annapurna-Rundwegs, einer 16-tägigen Trekkingtour, die in Besisahar im Marsyangdi-Tal beginnt und in Muktinath beziehungsweise Jomsom endet. Sechzehn Tage lang verändert sich auf dieser Route buchstäblich alles: die Vegetation, die Architektur der Dörfer, die Sprache der Menschen am Wegesrand und zuletzt die Luft selbst. Ich bin diesen Weg mit einer unserer Gruppen gegangen, von den ersten schwülen Stunden im Talgrund bis zum eisigen Wind am Pass, und genau dieser Kontrast unterscheidet die Runde um das Annapurna-Massiv von jedem anderen Trek in Nepal. Kein anderer Weg im Land führt auf so kurzer Strecke durch so viele unterschiedliche Landschaften, vom subtropischen Talgrund bis zur alpinen Passhöhe und wieder hinunter in ein trockenes Hochtal.
Warum der Rundweg wie keine andere Route in Nepal wirkt
Zwölf bis vierzehn Trekkingtage reichen bei den meisten Routen in Nepal, um eine einzelne Tallandschaft zu durchqueren. Der Annapurna-Rundweg braucht sechzehn. Er zeigt mehrere Klimazonen und Kulturräume hintereinander. Wer sich für diese Route entscheidet, sollte Zeit und Ausdauer für lange Gehtage mitbringen, bekommt dafür aber eine Bandbreite an Landschaft, die auf keiner anderen Tour im Land in dieser Form vorkommt. In der Praxis bedeutet das sechs bis sieben Gehstunden an den langen Tagen zwischen Chame und Manang, unterbrochen von zwei geplanten Akklimatisierungstagen, die den Körper gezielt auf die Passhöhe vorbereiten. Neben dem regulären TIMS-Dokument ist ein ACAP-Permit für das Annapurna Conservation Area Pflicht, da die gesamte Route durch dieses Schutzgebiet führt. Aufbau, Tagesetappen und Preise stehen auf der Seite zum Annapurna-Rundweg, hier geht es um das, was zwischen den Etappenzielen passiert.
Die ersten Tage im Marsyangdi-Tal
Besisahar liegt auf rund 760 Metern. Es ist schwül. Wie eine Bergtour fühlen sich die ersten Tage kaum an. Reisterrassen säumen den Weg, die Luft ist warm und feucht, und in den Dörfern der Gurung und Magar hängt Wäsche zum Trocknen vor Steinhäusern mit Wellblechdächern. Der Fluss Marsyangdi begleitet die Route talaufwärts, mal als reißendes Wildwasser tief unten in der Schlucht, mal als ruhiges Rinnsal direkt neben dem Pfad. Über Ngadi, Jagat und Dharapani wird der Weg mit jedem Höhenmeter karger, aus subtropischem Terrassenfeld wird Kiefernwald, aus Kiefernwald wird schließlich alpine Latschenvegetation. Diese Verwandlung zieht sich über gut vier Tage. Genau dieses langsame Umschalten bereitet Körper und Kopf auf das vor, was danach kommt. An mehreren Checkpoints entlang dieses Abschnitts, unter anderem in Jagat, kontrollieren Ranger des Annapurna Conservation Area die Permits jeder Gruppe. Ab Chame auf etwa 2.710 Metern wechselt der Baumbestand endgültig zu Kiefer und Rhododendron, und am Horizont wird zum ersten Mal die schroffe, über tausend Meter hohe Felswand des Paungda Danda sichtbar, die fast senkrecht direkt neben dem Weg aufragt.
Der lange Weg hinauf nach Manang
Manang liegt auf etwa 3.540 Metern und markiert den Übergang von den hinduistisch geprägten Unterläufen zu den tibetisch-buddhistisch geprägten Hochtälern. Gebetsfahnen ersetzen die Wäscheleinen. An den Wegkreuzungen stehen Chörten, und die Häuser wirken flacher und massiver, gebaut für Wind statt für Monsunregen. Zwischen Pisang und Manang verläuft eine höhere, aussichtsreichere Route über die Dörfer Ghyaru und Ngawal, die viele Gruppen dem tieferen Talweg vorziehen, weil sie zusätzliche Höhenmeter zur Akklimatisierung bringt, ohne die Gesamtstrecke wesentlich zu verlängern. Zwischen den Tagesetappen liegt ein Akklimatisierungstag in Manang, an dem viele Trekker zum ersten Mal spüren, wie unterschiedlich Höhe auf verschiedene Menschen wirkt. Manche schlafen schlecht, andere haben Kopfschmerzen, wieder andere merken kaum etwas. An diesem Tag gehst du langsam höher und steigst wieder ab, damit sich der Körper an den sinkenden Sauerstoffgehalt gewöhnt, bevor es Richtung Pass weitergeht. Der türkisfarbene Gangapurna-See direkt unterhalb des gleichnamigen Gletschers ist dabei ein beliebtes Ziel für einen kurzen Spaziergang, und in Manang selbst hält die Himalayan Rescue Association an den meisten Nachmittagen einen offenen Vortrag über Höhenkrankheit, den fast jede Trekkinggruppe besucht. Diese Tage in der Mitte sind die anstrengendsten. Wegen der Länge. Stunde um Stunde im selben Tal, mit dem Pass als Ziel, das noch tagelang entfernt bleibt.
Die Nacht vor dem Thorong La
Von Manang führt der Weg über Yak Kharka auf etwa 4.050 Metern weiter aufwärts, ein Dorf, das seinen Namen von den Yak-Weiden ringsum trägt und in dem viele Gruppen die vorletzte Nacht vor dem Pass verbringen. Thorong Phedi liegt auf rund 4.450 Metern und ist der letzte reguläre Halt vor der Passüberquerung, manche Gruppen steigen von dort noch zum High Camp auf 4.925 Metern weiter. Gut schläft in dieser Nacht kaum jemand, weil Höhe, Kälte und das Wissen um den langen Tag für Unruhe sorgen. Aufstehen um drei Uhr. Noch dunkel, deutlich unter null. Der frühe Start hat einen konkreten Grund: Am Nachmittag frischt der Wind auf der Passhöhe erfahrungsgemäß deutlich auf, teils mit Böen, die das Gehen auf offenem, oft schneebedecktem Gelände gefährlich machen. Wer vor Mittag oben ist und rechtzeitig wieder absteigt, umgeht dieses Risiko. Also früh los.
Die Überquerung des Thorong La
5.416 Meter zeigt der Wegweiser am höchsten Punkt des Passes, umgeben von Gebetsfahnen, die im Wind fast waagerecht stehen. Der Aufstieg dorthin zieht sich über sechs bis sieben Stunden, in dünner Luft, im Licht der Stirnlampe, Schritt für Schritt in einem Tempo, das eher an ein Metronom erinnert als an gewöhnliches Gehen. Am höchsten Punkt steht neben dem Wegweiser eine kleine Teestube, die in der Hauptsaison heißen Tee und Kekse verkauft, ein kurzer, willkommener Halt, bevor der lange Abstieg beginnt. Der Blick von dort reicht bei klarem Wetter bis zur Dhaulagiri-Kette im Westen und zurück ins Tal, aus dem die Gruppe gerade gekommen ist. Am Schild bleiben nur ein paar Minuten für ein Foto und einen Blick zurück auf den Weg aus dem Marsyangdi-Tal. Dann geht es weiter, denn der Abstieg auf die andere Seite ist mit über 1.600 Höhenmetern bis Muktinath selbst noch ein langer Tag, auf steilem, losem Geröll, das die Knie oft stärker fordert als der Aufstieg selbst.
Ankunft in Muktinath
Muktinath liegt auf etwa 3.760 Metern und zählt sowohl für Hindus als auch für Buddhisten zu den bedeutendsten Pilgerorten Nepals, bekannt für seine zahlreichen Wasserspeier und die ewige Flamme im Tempelbezirk. Nach dem Passtag ist es im Tempelbezirk still. Kein Wind, kein Stirnlampenlicht. Von Muktinath führt die Route weiter hinunter nach Jomsom, oft über das Dorf Kagbeni am Rand des Oberen Mustang und weiter durch die für ihre Apfelplantagen bekannte Ortschaft Marpha, bevor die meisten Gruppen mit einer Fahrt oder einem kurzen Flug nach Pokhara die Tour abschließen. Ab Mittag frischt im Kali-Gandaki-Tal regelmäßig ein kräftiger Talwind auf, ein bekanntes Phänomen dieser Gegend, das den Nachmittagsabschnitt bis Jomsom spürbar erschwert. Wer diese sechzehn Tage gegangen ist, hat eine ganze Bandbreite an Landschaft und Lebensweise durchquert, vom Reisfeld bis zum Hochgebirgspass und zurück in ein Tempeltal. Wie du dich auf den Pass vorbereitest, steht im Thorong-La-Guide, und die beste Zeit für die Runde im Ratgeber zur Reisezeit in der Annapurna-Region.
Fragen
Häufige Fragen
Wie lange dauert der Annapurna-Rundweg?
Was mache ich am Ruhetag in Manang?
Wo übernachtet man vor dem Thorong La?
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