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Thorong La: Der Passtag auf dem Annapurna-Rundweg im Detail

Der Thorong La auf 5.416 Metern ist der höchste Punkt und der anspruchsvollste einzelne Tag des Annapurna-Rundwegs. Der Guide erklärt den frühen Start, die Höhe, den langen Abstieg nach Muktinath und den Pilgerort am Ziel.

Passang Dawa SherpaSenior Climbing Guide7. August 2026

Trekker auf dem Weg zum Thorong La am Annapurna-Rundweg

Der Thorong La ist mit 5.416 Metern der höchste Punkt des Annapurna-Rundwegs und der Tag, an dem sich die gesamte 16-tägige Tour entscheidet. Der Übergang verbindet das Manang-Tal auf der Ostseite mit Muktinath auf der Westseite und gilt als eine der anspruchsvollsten Einzeletappen im nepalesischen Trekking, obwohl die Trekker an diesem Punkt bereits fast zwei Wochen unterwegs sind und einen erheblichen Teil ihrer Akklimatisierung hinter sich haben. Wer den Thorong-La-Tag versteht, bevor er ihn geht, kommt deutlich entspannter durch die neun bis zehn Stunden, die dieser Tag typischerweise dauert.

Warum dieser eine Tag den ganzen Trek prägt

Der Thorong La unterscheidet sich von fast jedem anderen Tag auf dem Annapurna-Rundweg, weil es unterwegs keine Unterkunft und kaum eine Möglichkeit zur Umkehr gibt, sobald du von Thorong Phedi oder High Camp aus losgelaufen bist. Anders als bei den Etappen zuvor, die sich über mehrere Stunden mit Pausen in Teehäusern verteilen, ist der Passtag eine durchgehende Anstrengung von einem Talende bis zum nächsten. Genau deshalb lohnt es sich, die Logistik dieses einen Tages im Detail zu kennen, von der Startzeit über die Höhe bis zum Abstieg nach Muktinath, statt ihn wie jede andere Etappe zu behandeln.

Der frühe Start: warum Timing über allem steht

3 bis 4 Uhr morgens ist die übliche Startzeit für die Thorong-La-Überquerung, meist von Thorong Phedi auf etwa 4.450 Metern oder von High Camp auf rund 4.850 Metern. Dieser frühe Start hat einen konkreten Grund: Am Vormittag ist die Luft am Pass in der Regel noch ruhig, während am frühen Nachmittag starke, kalte Fallwinde einsetzen, die den Übergang erschweren und die gefühlte Kälte deutlich erhöhen. Wer erst später aufbricht, riskiert, mitten im Windmaximum am höchsten und exponiertesten Punkt der Route zu stehen. Die Dunkelheit zu Beginn wird durch Stirnlampen überbrückt, und der Sonnenaufgang trifft die Gruppe meist irgendwo auf dem langen Aufstieg zum Pass, was den frühen Start neben dem Windschutz auch zu einem der eindrücklichsten Momente der gesamten Tour macht.

Höhe und Kälte auf 5.416 Metern

5.416 Meter sind eine ernsthafte Höhe für jeden Körper, auch wenn die Trekker den Thorong La erst nach rund zwei Wochen auf dem Annapurna-Rundweg erreichen und bis dahin bereits mehrere Nächte auf über 3.500 Metern verbracht haben. Diese schrittweise Akklimatisierung über Dörfer wie Chame, Pisang und Manang reduziert das Risiko der Höhenkrankheit spürbar, macht den Tag selbst aber nicht automatisch leicht. Die Kombination aus dünner Luft, niedrigen Temperaturen häufig deutlich unter dem Gefrierpunkt und mehreren Stunden ununterbrochener Anstrengung bleibt körperlich fordernd, unabhängig davon, wie gut die Akklimatisierung im Vorfeld verlaufen ist. Warme Schichten, Handschuhe und ein gutes Tempo, das nicht zu sehr in Atemnot bringt, sind an diesem Tag wichtiger als an jedem anderen Punkt der Tour.

Der Abstieg nach Muktinath: die unterschätzte Herausforderung

Über 1.600 Höhenmeter Abstieg liegen zwischen dem Thorong La auf 5.416 Metern und Muktinath auf rund 3.760 Metern, und dieser Abstieg wird von vielen Trekkern unterschätzt, weil die Aufmerksamkeit meist auf dem Aufstieg zum Pass liegt. Ein derart langer Abstieg an einem einzigen Tag belastet Knie und Oberschenkel deutlich anders als der Aufstieg, gerade wenn die Beine vom mehrstündigen Anstieg bereits müde sind. Trekkingstöcke helfen, das Tempo bewusst zu drosseln, verhindert aber nicht vollständig, dass der zweite Teil des Tages sich oft anstrengender anfühlt als der erste. Wer den Thorong-La-Tag plant, sollte den Abstieg deshalb als eigenständige körperliche Anforderung einplanen und nicht nur als entspannten Ausklang nach der Passhöhe.

Praktische Vorbereitung auf den Passtag

Mehrere Kleiderschichten sind am Thorong-La-Tag wichtiger als ein einzelnes dickes Stück, weil sich die Temperatur zwischen dem Start in der Dunkelheit, dem Aufstieg in der Sonne und dem Passgipfel im Wind stark verändert. Handschuhe, eine warme Mütze und ein Buff für Gesicht und Hals gehören ebenso zur Grundausstattung wie eine Stirnlampe mit frischen Batterien für den Start vor Sonnenaufgang. Wasser und ein einfaches Frühstück oder Riegel für unterwegs sind wichtig, weil es zwischen Thorong Phedi beziehungsweise High Camp und Muktinath keine Möglichkeit gibt, unterwegs etwas zu kaufen. Die geführten Touren dieses Anbieters starten mit einem festangestellten, ortskundigen Team aus Kathmandu, das die Wetterlage am Vorabend einschätzt und die Startzeit bei Bedarf anpasst, statt einen starren Zeitplan unabhängig von den Bedingungen durchzuziehen. Diese Einschätzung vor Ort ist am Thorong La wichtiger als bei fast jeder anderen Etappe der Tour, weil sich Wind und Sicht am Pass schneller ändern können als in tieferen Lagen. Wer sich am Morgen des Passtags ungewöhnlich schlecht fühlt, sollte das offen ansprechen, bevor die Gruppe von Thorong Phedi oder High Camp aufbricht, denn ein Rückzug ist nach dem Start deutlich schwieriger als eine kurze Verzögerung davor. Feste, eingelaufene Wanderschuhe und Trekkingstöcke sind an diesem Tag ebenfalls keine Option, sondern Voraussetzung, weil sowohl der vereiste obere Aufstieg als auch der lange Abstieg nach Muktinath entsprechende Trittsicherheit verlangen.

Muktinath: heiliger Ort für zwei Religionen

Muktinath ist für Hindus und Buddhisten gleichermaßen ein bedeutender Pilgerort, was die Ankunft nach dem Thorong-La-Tag zu mehr als nur einem logistischen Etappenziel macht. Der Tempelbezirk mit seinen 108 Wasserspeiern und der ewigen Flamme, die aus einer Erdgasquelle gespeist wird, zieht das ganze Jahr über Pilger aus Nepal und Indien an, unabhängig von der Trekkingsaison. Für Trekker, die am selben Nachmittag ankommen, ist der Kontrast spürbar: Nach Stunden in Eis, Wind und Fels stehst du in einem Ort, an dem seit Jahrhunderten Menschen aus religiösen Gründen unterwegs sind. Wer Zeit hat, sollte den Tempelbezirk noch am Ankunftstag oder am folgenden Morgen besuchen, bevor die Route weiter ins Kali-Gandaki-Tal führt.

Vishnu-Tempel ist die zentrale hinduistische Bezeichnung für den Hauptschrein in Muktinath, und der Ort gilt im Hinduismus als eine von wenigen Stätten, an denen alle vier klassischen Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft an einem Punkt zusammenkommen, was ihm den Namen Mukti Kshetra, Ort der Erlösung, eingebracht hat. Im tibetischen Buddhismus zählt Muktinath zu den 24 wichtigen Tantra-Orten und wird mit Guru Rinpoche in Verbindung gebracht, der der Überlieferung nach auf seinem Weg nach Tibet hier vorbeikam. Diese doppelte Bedeutung erklärt, warum am selben Tempelbezirk sowohl hinduistische Pilger aus Nepal und Indien als auch buddhistische Mönche und Pilger aus den umliegenden Bergregionen zu sehen sind, oft nebeneinander an denselben Wasserspeiern.

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