Reisen Nepal

Chitwan

Der Chitwan-Nationalpark ist ein UNESCO-Weltnaturerbe im Terai, dem flachen Tiefland Nepals nahe der Grenze zu Indien, rund 150 Kilometer südwestlich von Kathmandu. Anders als die Bergregionen, für die Nepal vor allem bekannt ist, liegt der Park auf nur etwa 150 Metern Höhe, in einem subtropischen Dschungel- und Feuchtgebiet aus Sal-Wäldern, Grasland und den Flüssen Rapti und Narayani. Der Park erstreckt sich über rund 932 Quadratkilometer und bildet zusammen mit angrenzenden Pufferzonen einen der größten geschützten Tieflandlebensräume Südasiens. Chitwan gilt als eines der erfolgreichsten Naturschutzprojekte Asiens: Seit der Gründung 1973 hat sich der Bestand des vom Aussterben bedrohten Panzernashorns im Park deutlich erholt, auch dank konsequenter Wilderei-Bekämpfung durch die nepalesische Armee.

Terai statt Himalaya: Warum Chitwan anders ist als der Rest Nepals

Wer an Nepal denkt, hat meist schneebedeckte Achttausender vor Augen, doch das Terai macht einen erheblichen Teil des Landes aus: ein flacher, fruchtbarer Streifen zwischen den Vorbergen des Himalaya und der indischen Grenze. Das Klima ist entsprechend anders als im Hochgebirge: wärmer, feuchter und ganzjährig ohne die Kälte, die Trekker aus der Everest- oder Annapurna-Region kennen. Diese klimatische und landschaftliche Gegensätzlichkeit ist einer der Hauptgründe, warum Reisende Chitwan nach oder vor einem Bergtrek einbauen: ein bewusster Wechsel von Höhenluft und Gletschern zu Flussufern und Dschungel. Ausgangspunkt für die meisten Besuche ist Sauraha, ein Dorf am Ostrand des Parks am Ufer der Rapti, in dem sich Lodges, Guide-Büros und Restaurants konzentrieren, ähnlich wie Lakeside es für Pokhara ist.

Tierwelt und Naturschutz im Nationalpark

Das Panzernashorn, eine Nashorn-Art mit nur einem Horn, ist das bekannteste Tier Chitwans und Symbol für den Erfolg des Parks: Wo die Art in den 1960er-Jahren fast verschwunden war, zählt Chitwan heute zu den wichtigsten Rückzugsgebieten der Population weltweit. Bengal-Tiger leben ebenfalls im Park, werden wegen ihrer versteckten Lebensweise aber nur selten gesichtet. Dazu kommen mehrere Hirscharten, darunter Axishirsch und Sambar, sowie Gaviale und Sumpfkrokodile in den Flüssen. Ornithologisch ist Chitwan ebenso bedeutend: Über 500 Vogelarten wurden im Park registriert, von Eisvögeln über Hornvögel bis zu seltenen Wasservögeln entlang des Rapti. Die Sichtungschancen schwanken mit der Jahreszeit: Nach der jährlichen Grasmahd im Januar und Februar ist das hohe Elefantengras im Kernbereich niedrig geschnitten, was die Sicht auf Nashörner und Hirsche deutlich verbessert.

Was ein Chitwan-Besuch beinhaltet

Ein Dschungelspaziergang mit geschultem Guide gehört zum Standardprogramm und ist innerhalb des Parks vorgeschrieben: Allein ist das Betreten aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt, da im dichten Grasland auch Nashörner und gelegentlich Tiger unterwegs sind. Alternativ oder ergänzend steht eine Jeep-Safari auf dem Programm, die größere Distanzen abdeckt und die Chance auf Sichtungen erhöht. Eine Kanufahrt auf dem Rapti-Fluss in traditionellen, aus Baumstämmen gefertigten Booten gehört ebenfalls fast immer dazu, oft kombiniert mit der Beobachtung von Gavialen am Ufer. Ergänzt wird das Programm meist durch ein kulturelles Tharu-Programm: Die Tharu sind die im Terai beheimatete indigene Bevölkerungsgruppe der Region, deren traditioneller Tanz und deren Dorfstruktur sich deutlich von der Bergkultur der Sherpa oder Gurung unterscheiden. Viele Lodges in Sauraha organisieren zusätzlich einen kurzen Besuch im Dorf, bei dem du Lehmhäuser und die Landwirtschaft der Tharu aus der Nähe siehst.

Chitwan als Teil deiner Nepal-Reise

Bei Reisen Nepal ist Chitwan fester Bestandteil der Kathmandu-Pokhara-Chitwan-Rundreise, die die Hauptstadt, die Seenlandschaft um Pokhara und den Dschungel im Terai zu einer Route verbindet. Diese Kombination ist typisch: Chitwan wird selten isoliert gebucht, sondern meist als Tiefland-Abschnitt an einen Bergaufenthalt angehängt, entweder am Ende einer Trekkingreise als Kontrastprogramm oder zu Beginn als sanfter Einstieg vor dem Aufbruch in die Höhe. 2 bis 3 Tage reichen für die Safari-Aktivitäten und das Kulturprogramm üblicherweise aus, die Anreise von Kathmandu oder Pokhara erfolgt meist mit dem Fahrzeug in 5 bis 6 Stunden oder per Kurzstreckenflug.

Praktische Hinweise für deinen Aufenthalt

Packe für Chitwan anders als für einen Trek: leichte, lange Kleidung in gedeckten Farben (kein Weiß oder Schwarz, das zieht Insekten an oder wirkt auf Tiere auffällig), festes Schuhwerk für die Dschungelwege und ausreichend Mückenschutz. Von Oktober bis Februar ist das Klima angenehm warm und trocken, von März bis Juni wird es heiß und schwül mit Temperaturen deutlich über denen im Kathmandu-Tal, die Monsunmonate Juli bis September bringen häufigen Regen und höhere Flusspegel im Rapti. Wer direkt aus der Höhenluft der Everest- oder Annapurna-Region anreist, sollte den Wechsel zur feuchten Tieflandhitze einplanen und die ersten Stunden im Terai ruhig angehen lassen, statt gleich auf die erste Safari zu starten.