Reisewissen
Religion in Nepal: Hinduismus, Buddhismus und ihre Verbindung
Nepal ist ein säkularer Staat, in dem laut Volkszählung von 2011 rund 81 Prozent der Menschen Hindus und knapp 9 Prozent Buddhisten sind. Beide Traditionen sind eng miteinander verwoben, besonders im Kathmandu-Tal und im Khumbu.
Zuletzt aktualisiert am 6. August 2026 · Passang Dawa Sherpa, Senior Climbing Guide
In Nepal leben laut Volkszählung von 2011 rund 81 Prozent Hindus und etwa 9 Prozent Buddhisten, dazu kleinere Gemeinschaften von Muslimen, Anhängern der Kirat-Religion und Christen, und die Volkszählung von 2021 zeigt ein ähnliches Bild. Offiziell ist Nepal ein säkularer Staat. Bis 2007 war es ein hinduistisches Königreich, dann erklärte die Übergangsverfassung das Land für säkular, und die Verfassung von 2015 bestätigte das. Für Trekker ist das mehr als Statistik. Kaum eine Region der Welt zeigt so deutlich, wie eng Hinduismus und Buddhismus im Alltag zusammenleben können.
Wie verteilen sich die Religionen?
Nach der Volkszählung von 2011 sind ca. 81 Prozent Hindus, ca. 9 Prozent Buddhisten, ca. 4 Prozent Muslime, ca. 3 Prozent Anhänger der Kirat-Religion und deutlich unter 2 Prozent Christen. Das sind Näherungswerte. Viele Nepalesen erleben ihre Religion fließend, und westliche Kategorien passen oft nicht. Auch regional ist die Verteilung ungleich. Der Buddhismus ist im Himalaya, etwa im Khumbu, und im Kathmandu-Tal stark, der Hinduismus im Terai und in den mittleren Hügelregionen.
Hinduismus: die Mehrheitsreligion
Der Hinduismus prägt Nepal seit Jahrhunderten und war lange Staatsreligion. Sein größtes Heiligtum ist der Pashupatinath-Tempel am Bagmati in Kathmandu, ein Shiva geweihter Tempelbezirk und eine der bedeutendsten Shiva-Pilgerstätten Südasiens, seit 1979 als Teil des Kathmandu-Tals UNESCO-Weltkulturerbe. Am Fluss finden bis heute Feuerbestattungen statt. Besucher können sie von den gegenüberliegenden Ghats respektvoll beobachten, ohne den Zeremonien zu nahe zu kommen. Präsent bleibt der Hinduismus trotzdem. Säkular schützt in Nepal die Vielfalt, ohne die hinduistische Prägung des Landes zu verleugnen.
Buddhismus: von den Newar im Tal bis zu den Klöstern im Khumbu
Mehrere Formen. Im Kathmandu-Tal pflegen die Newar seit Jahrhunderten eine eigene buddhistische Tradition, deren Wahrzeichen die großen Stupas Boudhanath und Swayambhunath sind. Boudhanath, einer der größten Stupas Asiens, ist das Zentrum der tibetisch-buddhistischen Gemeinde Kathmandus, und Swayambhunath, wegen der vielen Affen auch "Monkey Temple" genannt, liegt auf einem Hügel über der Stadt und gehört zu den ältesten religiösen Orten Nepals. Der Newar-Buddhismus ist eine der wenigen bis heute gelebten Traditionen des Sanskrit-basierten Vajrayana. Seine Priester, die Bajracharya, geben ihr Amt in der Familie weiter und leben nicht zölibatär im Kloster.
Im Hochgebirge, etwa im Khumbu, prägt der tibetische Buddhismus das Leben der Sherpa und Tamang. Auf dem Everest Base Camp Trek kommst du am Kloster Tengboche vorbei, dem bekanntesten Kloster der Region auf rund 3.860 Metern, wo Mönche nach dem tibetischen Kalender leben und täglich Pujas, buddhistische Gebetszeremonien, abhalten. Mehr über das Leben der Sherpa steht in unserem Artikel zur Sherpa-Kultur.
Islam, Kirat und Christentum
Etwa 4 Prozent der Menschen sind Muslime, vor allem im Terai, wo Moscheen in Städten wie Nepalgunj oder Biratnagar zum Stadtbild gehören und die Gemeinde unter anderem auf den Handel mit Nordindien zurückgeht. Die Kirat-Religion, eine indigene Naturreligion mit etwa 3 Prozent, leben vor allem die Rai und Limbu im Osten. Sie verehrt Vorfahren, Natur und lokale Gottheiten, ohne heilige Schrift und ohne zentrale Institution. Christen machen laut Volkszählung 2011 weniger als 2 Prozent aus, ihre Zahl wächst aber vor allem in den Städten. An den klassischen Trekkingrouten siehst du von diesen Gemeinschaften kaum etwas.
Wenn zwei Religionen einen Ort teilen
Am auffälligsten ist, wie durchlässig die Grenze zwischen Hinduismus und Buddhismus ist. Im Kathmandu-Tal verehren Hindus und Buddhisten oft dieselben Orte und teils dieselben Gottheiten, und niemand sieht darin einen Widerspruch. Am Swayambhunath beten beide, und die Göttin Harati, die dort einen eigenen Schrein hat, verehren beide Traditionen. Seit Jahrhunderten. Mit der westlichen Vorstellung von klar getrennten Religionen kommst du hier nicht weit, gerade im Kathmandu-Tal, mehr dazu in unserem Reiseführer zu Kathmandu.
Wie du dich an religiösen Orten verhältst
Vor Tempeln und Klosterräumen ziehst du die Schuhe aus. In viele hinduistische Tempel dürfen Nicht-Hindus nicht hinein, auch nicht in den inneren Bereich von Pashupatinath. Stupas und Manisteine, die mit Mantras beschrifteten Steinwälle an den Trekkingwegen, umrundest du im Uhrzeigersinn, mit der rechten Schulter zum Bauwerk, in Boudhanath genauso wie an jeder kleinen Manimauer im Khumbu. Schultern und Knie bleiben bedeckt, egal wie warm es ist. Bevor du Menschen bei Zeremonien fotografierst, frag kurz. Ein Nicken oder ein knappes "Photo?" reicht meist.
Die meisten religiösen Orte auf engem Raum findest du im Kathmandu-Tal, bevor es in die Berge geht. Auf dem Everest Base Camp Trek liegt das Kloster Tengboche mit Blick auf Ama Dablam und Everest direkt am Weg, und wer im Frühjahr nach Mustang reist, kann das Tiji-Festival in Lo Manthang erleben.
Fragen
Häufige Fragen
Ist Nepal ein hinduistisches Land?
Dürfen Touristen in den Pashupatinath-Tempel?
Wie verhalte ich mich an Stupas und Manimauern?
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